Neues Projekt im Medizinstudium

15 Dezember 2017

"Reden über Sex": offene und vorurteilsfreie Arzt-Patienten-Kommunikation für Freiburger Medizinstudierende der Humanmedizin

Einen Tag nach dem Welt-Aids-Tag fand im Fachbereich Infektiologie ( Prof. Winfried V. Kern) der Universität Freiburg erstmalig ein Seminar der besonderen Art statt. „Let’s talk about Sex“ hieß die Tagesveranstaltung, in der Medizinstudierenden lernen konnten, wie sie mit Patienten sensibel und wertfrei über Sexualität sprechen können. Dies, so die Erfahrung von HIV-behandelnden Ärzten und der AIDS-Hilfe, ist eine entscheidende Kompetenz, um HIV und andere Geschlechtskrankheiten rechtzeitig diagnostizieren und behandeln zu können.

Neben kurzen Vorträgen zum Aufbau solcher Gespräche stand das praktische Üben von Arzt-Patienten-Gesprächen im Vordergrund. Über kleine Filme und Gruppendiskussion setzten sich die Studierenden zudem damit auseinander, was ein Leben mit HIV heute bedeutet: Menschen, können auch mit HIV alt werden und sind unter Therapie sexuell nicht mehr ansteckend. Ein wichtiges Thema für die angehenden Ärztinnen und Ärzte.

In Kooperation mit der AIDS-Hilfe Freiburg soll das von der Deutschen AIDS-Hilfe (DAH) in Zusammenarbeit mit ärztlichen Fachgesellschaften und der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) entwickelte Fortbildungsmodul zukünftig regelmäßig in das Lehrangebot aufgenommen werden. Demnach wäre Freiburg nach medizinischen Fakultäten in Berlin, Frankfurt/Main, Lübeck, Köln und Mainz die nächste Universität, die ihren Medizinstudierenden mehr Kompetenz für Gespräche zum sensiblen Thema Sexualität vermitteln will.

Hintergrund des Projekts ist die Tatsache, dass rund die Hälfte aller HIV-Neudiagnosen in Deutschland bei sogenannten „Late Presentern“[1] gestellt werden – also bei Menschen, bei denen auf Grund ihres Krankheitsverlaufes der Beginn einer HIV-Therapie schon längst sinnvoll gewesen wäre.[2]Leider wird HIV wird von Ärztinnen und Ärzten, die nicht auf das Thema spezialisiert sind, oft nicht erkannt.[3]. Vielfach besteht Unbehagen, mit Patientinnen und Patienten über Fragensexueller Gesundheit zu sprechen, da die dafür nötigen Kompetenzen im Medizinstudium nicht vermittelt werden.

Das Fortbildungsangebot will die angehenden Ärzte auf das Thema HIV aufmerksam machen und ihnen helfen, diese fehlenden Kommunikationskompetenzen aufzubauen.

Die Realisierung des Projektes wird ermöglicht durch die Unterstützung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) und des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e.V (PKV).Weitere Informationen über das Ausbildungsmodul finden sich auf der Webseite www.hiv-sti-fortbildung.de

[1]Gemäß einer europäischen Konsensusempfehlung gilt der Begriff „Late Presenter“ für HIV-Positive, die bei der Diagnose eine Helferzellzahl < 350 CD4/µl haben.

[2]Zoufaly, A., An der Heiden, M., Marcus, U., Hoffmann, C., Stellbrink, H. J., Voss, L., Van Lunzen, J. und Hamouda, O. (2012): Late presentation for HIV diagnosis and care in Germany. HIV Medicine 13 (3): 172–181. Epub 07.11.2011. DOI: 10.1111/j.1468-1293.2011.00958.x.

[3] Burns, et al.: Missed opportunities for earlier HIV diagnosis within primary and secondary healthcare settings in the UK. Aids. 02.01.2008; 22 (1):115–122. Bezogen auf die Gruppe der Afrikaner_innen, zeigt eine Studie aus London, dass ein Großteil der „Late Presenter“ (76,4 %) im Jahr vor seiner Diagnose Kontakt zum medizinischen System hatte.

Autorin / Autor
Ulrike Hoffmeister
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