HIV-Selbsttest kommt bald

24 September 2018

Hier einige Infos zum neuen Selbsttest von der Deutschen AIDS-Hilfe e.V.:

Voraussichtlich ab Oktober wird in Deutschland der HIV-Selbsttest frei verkäuflich sein. Der Bundesrat hat am 20.09. einer Änderung der Medizinprodukteabgabeverordnung zugestimmt.

Die Deutsche AIDS-Hilfe hat sich lange für die Einführung des HIV-Selbsttests eingesetzt und begrüßt die Entscheidung von Bundesgesundheitsministerium und Bundesrat.

Dazu erklärt Sylvia Urban vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe:

„Der HIV-Selbsttest wird zahlreiche Aids-Erkrankungen und HIV-Infektionen verhindern. Die freie Verfügbarkeit senkt die Hemmschwelle und ermöglicht so mehr Menschen eine frühe Diagnose und damit eine Behandlung. Unter Therapie ist HIV auch nicht mehr übertragbar.“

Der Selbsttest kann so dazu beitragen, ein dringendes Problem zu lösen: Rund 13.000 Menschen in Deutschland wissen nichts von ihrer HIV-Infektion. Etwa die Hälfte aller HIV-Diagnosen in Deutschland erfolgt erst nach Jahren und damit deutlich zu spät. Mehr als 1.000 Menschen erkranken jährlich an Aids oder einem schweren Immundefekt, weil sie jahrelang nichts von ihrer HIV-Infektion wussten.

Diese Erkrankungen sind mit einer rechtzeitigen Diagnose vermeidbar. Menschen mit HIV haben heute eine fast normale Lebenserwartung und können leben wie alle anderen Menschen. Um den bestmöglichen Effekt zu erzielen, sollte eine HIV-Infektion so früh wie möglich behandelt werden.

Hemmschwelle senken

Manche Menschen scheuen jedoch den Gang in eine Arztpraxis oder Teststelle. Sie schämen sich zum Beispiel oder fürchten, für ihr sexuelles Verhalten verurteilt zu werden. Andere schieben den Test vor sich her.

Der Selbsttest macht den entscheidenden Schritt leichter. Viele testen sich erstmals oder häufiger. Das zeigen Studien und Erfahrungen in anderen Ländern wie Frankreich und Australien.

Geeignete Produkte

Wer den Selbsttest machen möchte, sollte ausschließlich Produkte verwenden, die für die Anwendung durch Laien konzipiert und zugelassen sind und das CE-Zeichen tragen. Diese Produkte sind auf der Webseite der Deutschen AIDS-Hilfe gelistet.

Information und Beratung

Wichtig ist außerdem, sich vor dem Test gut zu informieren. So kann der Test erst drei Monate nach dem letzten Risiko eine HIV-Infektion ausschließen. Positive Ergebnisse müssen mit einem weiteren Test in der Arztpraxis bestätigt werden. Liegt eine HIV-Infektion vor, sollte man sich so schnell wie möglich an eine darauf spezialisierte Praxis wenden.

Die Deutsche AIDS-Hilfe hat alle nötigen Informationen zum Selbsttest – wie zu allen anderen Testverfahren – auf ihrer Webseite zusammengestellt.

Die Aidshilfen in Deutschland bieten zudem anonyme Beratung per Telefon, Mail und Chat an – sei es bei Fragen zu Infektionsrisiken, bei der Durchführung des Tests oder beim Umgang mit dem Ergebnis.

Die Erfahrungen in anderen Ländern zeigen, dass Menschen mit einem positiven Testergebnis sich in der Regel rasch in medizinische Versorgung begeben und Rat suchen. Dramatische Überreaktionen wie Suizidversuche sind ausgeblieben.

Ein HIV-Test ist angebracht nach einem möglichen Infektionsrisiko. Schwulen Männern und anderen Menschen mit statistisch erhöhtem HIV-Risiko raten wir zu einem ca. jährlichen Routine-Check.

Leider denken viele Ärzt_innen im entscheidenden Moment nicht daran, einen HIV-Test anzubieten, weil HIV in ihrem Praxisalltag selten vorkommt oder das Gespräch über Sexualität ihnen schwerfällt.

Die Kampagne „Kein Aids für alle – bis 2020!“ der Deutschen AIDS-Hilfe arbeitet auf vielfältigen Wegen daran, dass es in Deutschland bald keine Spätdiagnosen mehr gibt.

Weitere Informationen:

Informationen über den HIV-Selbsttest auf aidshilfe.de

Hintergrundinformationen zum HIV-Selbsttest

Beratungsangebote der Deutschen AIDS-Hilfe

Pilotprojekt „S.A.M – Mein Heimtest“

Testangebot „test it!“ in NRW

„Kein Aids für alle – bis 2020!“ – Kampagne zur Vermeidung von Spätdiagnosen mit Geschichten von Aids-Erkrankungen, die vermeidbar gewesen wären

Broschüre für Haus_ärztinnen „HIV früh erkennen - Aids vermeiden“

Autorin / Autor
Robert Sandermann
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